Was, wenn nichts schmeckt?

15. Mai 2021 // Anna Woznicki

„Mag ich nicht!“ Wenn ich diesen Satz höre, vergeht auch mir im wahrsten Sinne des Wortes der Appetit. Und diesen Satz höre ich oft von meinem Großen. Ernährungsexpertin Nicola Hermann macht Mut …

Foto: Anna Woznicki

Jetzt könnte man ja meinen, allmählich müsste sie ja raushaben, was das Kind nun mag und was nicht. Aber mochte er an dem einen Tag noch das eine, mag er an dem nächsten Tag weder das eine noch das andere. Kein unbekanntes Phänomen bei Kindern, ich weiß. Und doch frage ich mich: Warum? Und: braucht er nicht diese und jene Nährstoffe? Ab wann sollte man sich Sorgen machen? Und bis wann gelassen zurücklehnen?Aus meiner bisherigen Erfahrung kann ich sagen: Je mehr Ruhe ich habe, desto ruhiger wird auch unsere Essenssituation. Ok, du magst keinerlei gekochtes Gemüse, dann isst du halt rohes Gemüse. Du magst nur Äpfel und Weintrauben – und auch nur, wenn die ganz ganz ganz hart sind? Dann wenigstens das. Hauptsache irgendetwas Gesundes. Auch Ernährungsexpertin Nicola Herrmann rät: „Eine Portion Gelassenheit – die braucht man in jedem Fall am Tisch. Und die tut gut.“ In ihrem neuen Kurs „Abenteuer Küche“ spricht Nicola Herrmann über mehr – und gesünderen – Spaß am Familientisch.

„Lass stehen. Super, dann gibt’s mehr für mich!“„Lass stehen. Super, dann gibt’s mehr für mich!“

Für wir&ihr fragte ich sie konkret: Ja aber was, wenn wirklich nichts schmeckt? Nicola: „Das ist ein ganz normaler Entwicklungsschritt bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren. Und bis zu einem gewissen Grad auch völlig normal. Kinder testen Grenzen aus, schauen was passiert. Dann ist es ganz wichtig, sich nicht auf die Bühne zu begeben und souverän zu bleiben.“ Und was tun, wenn der Teller nicht angerührt wird? So ist es zumindest bei uns. Und einem Kind beim Würgen von dem liebevoll angerichteten Mittagessen zuzuschauen, ist ja auch nur so semi-schön. „Lass stehen. Super, dann gibt’s mehr für mich! – Mit diesem Satz erntet man erstaunte Blicke und nimmt den Druck aus der Situation“, rät Nicola Herrmann. „Und ganz wichtig: Keine attraktive Alternative bieten. Manchmal braucht ein bestimmtes Essen auch Wiederholungen, damit es akzeptiert wird. Nicht zu schnell aufgeben.“ Direkt mal ausprobieren, dachte ich und servierte zum x-ten Mal Lachs, wegen Omega 3 und gesund und so. „Mag ich nicht. Ess ich nicht.“ Wums. Und jetzt?

„Gesundes Essen ist ein Erziehungsauftrag.“

„Gesundes Essen ist so essentiell wie beispielsweise Hausaufgaben. Es ist ein Erziehungsauftrag. An gesundem Essen führt kein Weg vorbei“, sagt Nicola Herrmann und tatsächlich: So habe ich es noch nicht gesehen. Ich straffte also die Schultern und sagte: „Das muss dir auch nicht hundertprozentig schmecken und du musst es auch nicht aufessen. Das ist kein Bonbon und das sind auch keine Nudeln. Es ist aber wichtig, damit du gesund bleibst. Ich möchte, dass du das isst.“ Wums! Und er isst. Ein Bissen, zwei. Gabel weggelegt. Aber hey! Er hat es gegessen. Und ich klopfe mir in Gedanken auf die Schultern. Nicola: „Wenn du weißt, was du tust und dir selbst vertraust – dann kannst du richtig reagieren.“

„Eine gute Mutter hat mindestens fünf Tupperdosen mit auf dem Spielpatz.“

Und noch eine Sache, habe ich aus unserem Gespräch mitgenommen: „Wir erziehen unsere Kinder zu ständigem Essen. Eine gute Mutter hat mindestens fünf Tupperdosen mit auf dem Spielplatz. Selten kommen die Kinder mit echtem Kohldampf an den Tisch“, weiß Nicola. Erwischt. Was aber auch daran liegt, dass ich Picknick liebe. Egal wo wir sind, macht Picknick den Ort perfekt. Trotzdem nehme ich mir vor, darauf zu achten, wieviel Zeit wirklich zwischen Picknick/Zwischenmahlzeit und Mittagessen liegt. Und tatsächlich: So viel Hunger kann er nach dem Spielplatz-Besuch mit Tupperdosen auch gar nicht haben. Zumindest nicht so viel, dass er jetzt über Lachs und Gemüse herfallen würde. Wieder etwas gelernt. Danke Nicola.

Du willst mehr wissen? Schau doch mal vorbei auf Nicolas Seite und erfahre mehr über ihren Kurs https://kurse.nicola-herrmann.de/abenteuer-kueche-online-kurs

Was bei uns noch gegen Essens-Frust hilft:

  • Dem Essen Namen geben: Grüne Spinat-Klößchen? Schmecken als Hulk-Happen doch viel besser. Da wachsen die Muckis nach jedem Bissen.
  • Gemeinsam Kochen macht Spaß! Einmal in der Woche ist bei uns Kinderkochtag.
  • Wer kennt’s nicht? Vor dem Fernsehen isst man einfach unheimlich gerne. Deshalb gibt’s bei uns beim abendlichen Sandmännchen schauen immer eine Portion Rohkost. Und schwupps – ist sie verschwunden.
  • Gemeinsam Essensregeln aufstellen und aufschreiben oder aufmalen. Sich dann auch einmal selbst erwischen und maßregeln lassen. 
  • Sei sicher in dem, was du tust.
  • Kleine Portionen! Vor großen Essensbergen schrecken Kinder oft zurück. Und ein Erfolgserlebnis stellt sich auch nicht ein.
  • „Er ist wirklich ein schlechter Esser!“ Kinderohren hören meistens mit. Stigmatisierungen vermeiden.
  • Essen muss nicht immer super-duper schmecken. Und das ist O.K.! Manchmal ist es auch einfach dafür da, Kraft zu geben, kreativ zu denken, schnell zu werden – oder, auch so stark zu sein, wie ein echter Superheld.

Wer wir sind

Schwestern. Mamas. Tanten unserer Kinder – zwei Jungs und ein Mädchen. Journalistinnen. Und das so so gerne. Also, alles von dem.

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