Mein Fünfjähriger bekommt Weißheitszähne! Nicht.

8. April 2021 // Anna Woznicki

Mein Fünfjähriger bekommt Weißheitszähne! Das war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich die weißen Spitzen entdeckte, die sich durch das Zahnfleisch bohrten. Schock! Die verschieben doch das ganze Gebiss, die müssen bestimmt rausoperiert werden! Hilf mir liebes Internet! Beim Googeln wurde ich dann schlauer. Im Alter von ungefähr sechs Jahren bekommen Kinder ihre ersten bleibenden Zähne. Backenzähne. Ähem, ok. Wusste ich nicht. Dabei hielt ich mich eigentlich für relativ schlau – zumindest was das angeht.

Foto: Anna Woznicki

Deshalb kommen sie jetzt: Zehn wissenswerte Fakten über Kinderzähne. In Zusammenarbeit mit der Velberter Kinderzahnärztin Julia Brendebach.

  • Mit ungefähr sechs Jahren erfolgt der Durchbruch der ersten großen Backenzähne (Sechsjahrmolaren) Die bleibenden Backenzähne brechen häufig unbemerkt hinter den Milchbackenzähnen durch.
  • Karies ist eine multifaktorielle Erkrankung. Das heißt, Karies kann unterschiedliche Ursachen haben und erst, wenn die drei Hauptfaktoren zusammentreffen, kann Karies entstehen. Die Hauptfaktoren sind: Ersten: Die Eigenschaften der jeweiligen Mundhöhle (Zahnstellung, Speichelmenge/Qualität, chemische Zusammensetzung der Zahnhartsubstanzen, Zahnmorphologie). Zweitens: Plaque: Plaque ist ein gelblich-weißer, strukturierter, zäher, filziger Zahnbelag (sogenannter Biofilm) aus Speichelbestandteilen, Nahrungsresten, lebenden und toten Bakterienzellen sowie deren Stoffwechselprodukten. Drittens: Substrat: Die Nahrungsmittel, die wir aufnehmen. Dabei spielt auch die Zusammensetzung, die Konsistenz und Einwirkzeit eine Rolle.
  • Keine Zahnbürste zur Hand, das Kind hat aber gerade tüchtig Schoki verdrückt? Mit Wasser nachspülen. Das spült Essensreste aus der Mundhöhle und kann Karies verhindern.
  • Milchzähne fallen doch eh raus. Schon einmal gehört? Dabei ist der möglichst lange Erhalt der Milchzähne unheimlich wichtig, nicht nur um richtig kauen zu können, sondern auch um deutlich und sauber Sprechen zu lernen. Und Milchzähne dienen als Platzhalter für die bleibenden Zähne und verhindern spätere Zahnfehlstellungen.
  • Kariesbakterien sind bei Kindern dieselben wie bei Erwachsenen – und genauso aktiv. Es macht daher Sinn schon bei Kindern mit Zahnseide zu arbeiten.
  • Poröse Zähne, die schnell brechen und fleckig sind? Schmerzen beim Zähneputzen?  Kreidezähne heißt das relativ neue Phänomen, das bei ungefähr 20 Prozent der Unter-Zwölfjährigen auftritt. Im Schmelz der Zähne werden zu wenige Mineralien eingelagert. Die Ursache davon ist völlig ist unklar. Man hat es hierbei also im Gegensatz zu Karies mit einem unbekannten Feind zu tun.
  • Fluoridhaltige Zahnpasta beugt Karies vor. Doch dabei kommt es auf die Menge des Fluorids an. So empfiehlt Julia Brendebach, Kindern bis 2 Jahre eine Zahnpasta mit der Angabe 500 ppm und Kindern bis sechs Jahre eine Zahnpasta mit 1.000 ppm.
  • Es ist sinnvoller, fluoridhaltige Zahnpasta zu benutzen, anstatt Fluorid-Tabletten, da die Tabletten nicht lang genug im Mund bleiben um wirken zu können.
  • Milchzähne haben denselben Aufbau wie bleibende Zähne. Zahnwurzel, Zahnhals, Zahnbein, Zahnschmelz, Zahnkrone und die innenliegenden Nerven und Blutgefäße.
  • Wenn sich das Kind bei einem Unfall einen Zahn herausgeschlagen hat, hilft eine sogenannte Zahnrettungsbox (Dentosafe). Damit ist es möglich, den Zahn wieder in das Zahnfleisch zurücksetzen zu lassen. Bei Milchzähnen soll dies allerdings wegen der Gefahr der Keimschädigung für bleibende Zähne unterbleiben.

Jetzt bin ich also schlauer was Kinderzähne angeht. Ein paar Fragen habe ich aber doch noch an Julia Brendebach.

Warum brauchen Kinder einen Kinderzahnarzt?

Kinder sind Kinder – und keine kleinen Erwachsenen. Sie gehen mit Ihrem Kind ja auch zum Kinderarzt und nicht zum Allgemeinarzt. In einer Kinderzahnarztpraxis sind Kinder die Hauptpersonen.

Was bedeutet das genau?

Angefangen bei der Ausstattung. Die Kinder kommen und sind fasziniert von dem Spielzimmer. Von bunten Farben und Bildern. Von Bäumen an den Wänden und Vögeln an den Lampen. Von Handpuppen und Play-Station. Von „Goldmünzen” als Belohnung und von einem Treppchen am Empfang – denn so können wir uns von Anfang an auf Augenhöhe begegnen. Selbstverständlich haben auch unsere Kinder-Behandlungszimmer eine ganz eigene Ausstattung: Die Zahnarztstühle sind viel kleiner, außerdem gibt es eine tolle Behandlungsliege nur für Kinder. Und damit Eltern und Geschwisterkinder nicht draußen bleiben müssen, haben wir einen „Zuschauerbereich” im Behandlungsraum.

Was heißt „auf Augenhöhe“ noch bei Ihnen?

Ich nehme mir Zeit für das Kind. Ich frage, wen es denn mitgebracht hat, wir albern herum, zählen zusammen Zähne und lernen uns kennen.

Und wenn dann doch der Kunststofffüller kommt?

Wir verwenden solche Vokabeln gar nicht. Bei uns ist es einfach eine Crème, die auf die Zähne geschmiert wird. Ich sage auch nicht: Du brauchst keine Angst haben. Kinder kennen i n diesen Situationen keine Verneinung. Sie hören nur das Wort Angst.

Und wenn Kinder keine Kinder mehr sein wollen? 

Irgendwann kommt dieser Zeitpunkt. Und was immer lustig war, ist plötzlich nur noch peinlich. Da wir in unserer Praxis das gesamte Spektrum der Zahnheilkunde anbieten, ist der Wechsel zu den Erwachsenen ein Kinderspiel.

Julia Brendebach schloss 2011 das Curriculum Kinderzahnheilkunde erfolgreich ab und darf seitdem die Bezeichnung „Tätigkeitsschwerpunkt Kinderzahnheilkunde” beanspruchen. 2014 hat sie zudem ein Zusatzstudium der Kinderzahnheilkunde an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald aufgenommen, das sie 2016 mit dem Erlangen des akademischen Titels „Master of Science in Kinderzahnheilkunde (M.Sc.)“ erfolgreich abgeschlossen habe. 2020 wurde die Velberter Kinderzahnärztin in der Ärzteliste des Nachrichtenmagazin Focus als „Top-Mediziner Deutschlands im Bereich Kinderzahnmedizin” aufgeführt.

www.zahnaerztin-brendebach.de

Der Vogel Fridolin stellt Julia Brendebach vor.

Wer wir sind

Schwestern. Mamas. Tanten unserer Kinder – zwei Jungs und ein Mädchen. Journalistinnen. Und das so so gerne. Also, alles von dem.

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