Beziehungsweise …

12. Februar 2021 // df-kreativ

Bärenbrüder solltet ihr sein – das war mein Traum. Ich sah euch zusammen Fußball spielen, gemeinsam über einem Buch hocken, euch schützend voreinander stehend.  Bekamen wir das hin? Oder kam es vielleicht sogar von alleine?

Ich kaufte Bücher über Geschwisterbeziehungen, nahm den großen Bruder mit zum Ultraschall, ließ ihn die Herztöne hören. Dann war es soweit. Sie lernten sich kennen. Mein Großer kam ins Krankenhauszimmer gestürmt, rief ein kurzes Hallo ins Beistellbettchen und fragte dann: „Krieg ich jetzt nen‘ Schokobon?“ Dann kuschelten wir miteinander, lasen die Bücher über Geschwister und aßen Schokobons. Das neue Baby war da.

Die Zeit danach riss ich mir zwei Beine gleichzeitig aus, um bloß keine Eifersucht aufkommen zu lassen. Nach einer Nacht im Krankenhaus wollte ich zu meinem Großen nach Hause. Einen weiteren Tag später brachte ich ihn in die Kita. Beim Stillen erzählte ich müde Geschichten, las, spielte mit ihm. Es sollte alles fast wie vorher sein. Am zehnten Tag beugte sich der nun Dreijährige in den Stubenwagen und bekam das erste Lächeln geschenkt. „Jetzt habe ich mich in dich verliebt“, flüsterte er. Da war ich zuversichtlich – und so unfassbar glücklich.

So wie ich es mir vorgestellt hatte. Nur mit mehr Streit

Heute tanzen sie zusammen zu ihrem Lieblingslied „Du hast das Zeug zum Superhelden“ und machen alles genauso, wie ich sie mir als Bärenbrüder vorgestellt habe. Nur mit mehr Streit. Aber das ist auch ok. Ihr seid ein Team, vergesst das nicht, sage ich dann, wenn es kracht. Ihr seid Bärenbrüder. Dass ihr euch habt, ist das Wertvollste der Welt. „Wertvoller als Gold und alles andere?“, fragt der Große dann. Ja, sage ich. Woher ich das weiß? Weil ich selbst eine Schwester habe. Eine die mir so nah ist, wie kein Mensch der Welt. Und dann erzähle ich Geschichten, wie wir uns gestritten und vertragen haben. Wie ich mir mal den Jungen in der Schule vorgeknöpft habe, der meine Schwester geärgert hat. Als ich Streit mit all meinen Freundinnen hatte und mich trotzdem nicht alleine fühlen musste. Geschichten, die das Leben schrieb und immer noch für uns Schwestern schreibt. Die so viel mehr wert sind, als alle Bücher, die ich gekauft hatte. Da fällt mir ein Zitat wieder ein, das ich mal gelesen hatte. 

„Erziehung ist Beispiel und Liebe. Sonst nichts.“

Friedrich Fröbel

Was meine Bärenbrüder noch stark gemacht hat, erfahrt ihr hier:

  • Das große Geschwisterkind schon in der Schwangerschaft mit einbeziehen. So ein Arztbesuch mit Ultraschall kann ganz schön spannend sein.
  • Verbindungen herstellen. Schau mal, wie es tritt, wenn es deine Hand spürt. Guck mal, es mag die gleiche Musik wie du.
  • Zusammen Bücher über Geschwisterbeziehungen lesen.
  • Keine zu hohen Erwartungen aufbauen. Nein, das Baby kann noch nicht mit dir Fußballspielen, wenn es geboren ist. Dafür freut es sich, wenn du ihm etwas vorsingst, oder den Kinderwagen schiebst.
  • Gemeinsam das neue Zimmer für’s Baby herrichten.
  • Das erste Kennenlernen nicht überschätzen und nicht zu viel erwarten. Es ist ok, wenn das große Geschwisterkind das Neugeborene nicht auf den Arm nehmen möchte. Im Mittelpunkt sollte bei diesem Treffen das große Kind stehen. Wie wäre es mit einem kleinen Geschenk? Einer Große-Bruder oder Große-Schwester Medaille zum Beispiel?
  • Freunde und Familie bitten, nach der Geburt auch für das große Geschwisterkind etwas mitzubringen. Oft haben wir uns tatsächlich nur etwas für den Großen gewünscht.
  • Auf das Stillen vorbereiten. Erzählen, dass das Baby am Anfang lange und oft an der Brust trinken wird. In dieser Zeit können es sich Mama und das große Geschwisterkind richtig gemütlich machen. Bücher lesen, Geschichten erzählen. Nützlich kann eine Kiste mit interessanten Spielzeugen und Büchern sein, die das große Kind nur dann öffnen darf, wenn Mama gerade stillt.
  • Keiner kann so schön den Stubenwagen schuckeln. Nur beim Bruder/oder der Schwester lacht das Baby so niedlich! Das große Geschwisterkind freut sich, wenn ihm etwas zugetraut wird und es eine feste und wichtige Rolle im Familienleben hat.
  • Das Baby schreit und schreit? Es macht Bäuerchen auf das coole T-Shirt des großen Bruder? Schnell von früher erzählen, Verständnis wecken und Normalität schaffen. Was hast du oft geschrien! Nächtelang habe ich dich durch das Haus getragen und dir gesagt, wie lieb ich dich habe. Einmal hast du so ein großes Bäuerchen auf mein Kleid gemacht, dass ich mich komplett umziehen musste. Da haben wir beide aber gelacht!

Wer wir sind

Schwestern. Mamas. Tanten unserer Kinder – zwei Jungs und ein Mädchen. Journalistinnen. Und das so so gerne. Also, alles von dem.

Mehr lesen

Die neuesten Beiträge

Schlagwörter